5. Biophys. AT 2010

 

Radiz
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5. Biophysikalische Arbeitstagung 2010         10. - 12. Juni 2010 in Bad Schlema

     „Biologische Wirkungen niedriger Strahlendosen                                                     -                                                                 Natürliche Strahlenexposition,                             Radon-Balneotherapie und Strahlenschutz              

Vom 10. - 12. Juni fand in Bad Schlema die 5. Biophysikalischen Arbeitstagung in statt. Rund 100 Teilnehmer hatten sich zu Gedanken und Erfahrungsaustausch im Kulturhaus “Aktivist” eingefunden. Die 32 Vorträge aus der gesamten Bundesrepublik und dem benachbarten Österreich, die das Programm ausweist, sowie die große Teilnehmerzahl belegen das große überregionale Interesse auch an dieser 5. Arbeitstagung über die Wirkung niedriger Strahlendosen. Ein zusätzliches Gewicht erhält dieser Kongress dadurch, dass er von der Sächsischen Landesärztekammer als Weiterbildungs- veranstaltung höchsten Ranges eingestuft wurde. Neben dieser Anerkennung als Fortbildungsveranstaltung für Ärzte wurde über die AOK-Plus auch für Physiotherapeuten die Fortbildungsanerkennung ausgesprochen.

Im einführenden Teil der Tagung wurde daher mit einer Übersicht über die Kurortmedizin des auch für Bad  Schlema kurortspezifischen und ortsgebundenen HeilmittelsRadon, eines Elements im Niedrigstrahlendosisbereich, begonnen. Es werden die Grundlagen der Radonbalneotherapie  erläutert, die Indikationen und die Unbedenklichkeit dieser Therapie dargelegt. Besonders Patienten mit chronischen Erkrankungen der Gelenke (z.B.Arthrosen und chron. Polyartritis), der Wirbelsäule (z.B .Bechterewsche Erkrankung und Bandscheibenschäden), des Weichteilapparates (z.B. Fibromyalgie), der Haut (z.B. Schuppenflechte und Neurodermitis)  des Atemapparates sowie Schmerzsyndrome unterschiedlichster Ursachen gewinnen mit dieser Therapie Lebensqualität. Es werden die heute gebräuchlichsten Medikamente, ihre Wirkung, aber auch ihre teils lebensbedrohlichen Nebenwirkungen erläutert und Nachweise präsentiert, wie diese Medikamente durch Radontherapie zumindest reduziert, wenn nicht sogar ersetzt werden können.

 Zum besseren Verständnis der Radonwirkung im Organismus eines Patienten werden der Weg des Radongases in den Körper, seine dortige Verteilung und der Weg aus dem Körper heraus mit hohem messtechnischem Aufwand (z.B. unter Einsatz des Ganzkörperspektrometers der Klinik und Poliklinik der Universität Leipzig) analysiert und die Erkenntnisse zur Optimierung der Radonbalneotherapie verwandt. Modellberechnungen versuchen die Radonwirkung in einzelnen Organen verständlich zu machen.

Aktuelle Erkenntnisse belegen immer deutlicher, worauf die Wirkung der niedrigen Bestrahlungsdosen und Radonmengen, die in der Therapie verwendet werden, beruht. Dabei stehen die Freisetzung von entzündungshemmenden Botenstoffen des Immunsystems, wie des Transforming Growth Factor beta (TGF-ß), und die Modulation des programmierten Zelltodes (Apoptose) in Vordergrund der strahlenbiologischen Forschung. Beide Mechanismen tragen maßgeblich zur Regulation des Entzündungsgeschehens in Sinne einer anti-entzündlichen und schmerzmindernden Reaktion nach Bestrahlung bei.

Schließlich wird dargelegt, dass die Radonbalneotherapie evidenzbasiert, d.h. ihre Wirksamkeit durch multizentrische Studien belegt ist, und dass das kurortsspezifische Heilmittel Radon für Bad Schlema und Umgebung ein Wirtschaftsfaktor mit hoher Wertschöpfung ist.

Die Kehrseite des "janusköpfigen" Radons ist das Strahlenschutzproblem. Lungenkrebs durch chronische Einatmung von Radon mit der Grubenluft ist ein Teil der Geschichte des Uranbergbaus. Doch wie kann man diese Kenntnisse auf die niedrigen Radonexpositionen übertragen, die in Wohnungen im früheren Uran-Bergbaugebiet oder an Arbeitsplätzen in der Radon-Balneologie auftreten können? Darf man vereinfachend annehmen, dass sich die Wahrscheinlichkeit für die Erzeugung von Lungenkrebs durch Radoneinatmung halbiert, wenn sich die Radonkonzentration oder die Expositionszeit halbiert? Oder gibt es wie bei vielen pharmakologischen Wirkstoffen "Schwellwerte" der Radonkonzentration, bei deren Unterschreiten das Lungenkrebsrisiko auf Null heruntergeht? Darf man unter wissenschaftlich nicht gesicherten Voraussetzungen für eine Millionenbevölkerung in Wohnungen mit meistens sehr niedriger Radonkonzentration Tausende von radonbedingten Lungenkrebsfällen pro Jahr berechnen? Darf man diese starken Vereinfachungen verwenden, um Richtwerte der Radonkonzentration für die Sanierung von Gebäuden festzulegen?

Eine der wichtigsten Aufgaben der 5. Biophysikalischen Arbeitstagung ist es, mehr Licht in die Erforschung des Lungenkrebsrisikos bei niedrigen Expositionswerten zu bringen. Statistische Untersuchungen an großen Bevölkerungsgruppen leiden oft an Problemen durch die niedrigen Fallzahlen. Bei der "Europäischen Radonstudie" wird sogar die Annahme einer Risikoverdopplung bei Expositionsverdopplung von vornherein in die Auswertungen hineingesteckt. Die entscheidende biologische Frage ist, ob der Mensch - wie das von bestimmten Tierarten her bekannt ist - in der Evolution Abwehrmechanismen gegen geringe Strahlendosen erworben hat. Es gibt Hinweise, dass naturgegebene Reparaturvorgänge in den lebenden Zellen und Abwehrreaktionen des Immunsystems durch niedrige Strahlendosen regelrecht angestoßen werden, so dass die krebserregende Wirkung niedriger Strahlendosen kompensiert wird. Anpassungsreaktionen sind aber auch nicht frei von seltenen Fehlern, und die genetisch bedingte Empfindlichkeit für Strahlenwirkungen weist große individuelle Schwankungen auf.

Ein spannendes Thema ist auch die Radon-Messtechnik, die sich mit der Messung des Radongehalts der Heilbäder, mit der Verringerung der Radoninhalation durch das Bäderpersonal und mit dem natürlichen Radongehalt des Trinkwassers beschäftigt. Entscheidend ist, dass auch nach dem neuesten Stand kein Radonpatient befürchten muss, krankmachenden Radonkonzentrationen ausgesetzt zu sein, denn in der Radontherapie werden sehr geringe Radonmengen und kurze Expositionszeiten verwendet.

Weitere Informationen zur Historie der Tagungsreihe, zum Verein RADIZ oder auch zu unseren Publikationen finden Sie auf den ersten und letzten Seiten der RADIZ-Informationsschrift Nr. 32/2010 mit den Kurzreferaten zur Tagung.

 Verein RADIZ Schlema e. V.

 

Biophysikalische Arbeitstagung in Bad Schlema

Biophysiker und Mediziner - Boris Rajewsky, Werner Schüttmann und Karl Aurand - haben mit den erstmals 1941 veranstalteten Biophysikalischen Arbeitstagungen in Bad Schlema weitblickend ein wissenschaftliches Forum für die Erforschung der Grundlagen der Radon-Balneotherapie und des Strahlenschutzes bei Radon-Exposition geschaffen. Gemeinsamkeiten bei den zugrunde liegenden Wirkungsmechanismen niedriger Strahlendosen zeigen sich heute immer deutlicher.Zur Objektivierung der therapeutischen Wirkung des Radons wurden erneut kontrollierte klinische Studien durchgeführt. Indikationen und Applikationsformen der Radontherapie werden ständig weiter optimiert. Molekulare und zelluläre Mechanismen der schmerz-lindernden Wirkung des Radons und seiner kurzlebigen Folgeprodukte, insbesondere die Beteiligung des Immunsystems, sind in den letzten Jahren auf physikalischer und biologischer Ebene besser verstanden worden. Der Strahlenschutz des Patienten bei der therapeutischen Anwendung des Radons und der Risikovergleich mit medikamentösen Behandlungsmethoden berühren Grundfragen der Karzinogenese bei niedrigen Strahlendosen, insbesondere die Gültigkeits- und Anwendungsgrenzen der linearen Dosis-Risiko-Beziehung. Den biologischen Abwehrmechanismen gegen die Karzinogenese sowie ihrer Anpassung an erhöhte Strahlenexpositionen kommt möglicherweise eine Schlüsselrolle für das Verständnis des Strahlenrisikos bei niedrigen Dosen und Dosisleistungen zu. Eben so wird der Fortschritt der Erkenntnisse auf diesem faszinierenden interdisziplinären Wissensgebiet sichtbar gemacht sowie die Bewertung der natürlichen Strahlenexposition und die Bedeutung der Radon-Balneotherapie für die Kurortmedizin hervorgehoben.

Wir danken allen Teilnehmern für den intensiven Gedankenaustausch.

Prof. Dr. Dr. Wolfgang A. Grunewald, Tagungspräsident

PD Dr. Franz Rödel, Generalsekretär

 

Themenbereiche und Referenten der Tagung

1. Radon-Balneologie – Indikationen, Heilerfolge und Optimierung                               Moderation: Prof. Dr. Peter Deetjen  

Dr. Kathrin Baumann (Bad Schlema)                                                                                                        PD Dr. Matthias Fischer (Aue)                                                                                                            Prof. Dr. Dr. Wolfgang A. Grunewald (Neualbenreuth/Sibyllenbad)                                                                SR Dr. Hans Jöckel (Bad Kreuznach)                                                                                                       Prof. Dr. Dr. Dipl.-Phys. Jürgen Kleinschmidt (München)                                                                            Dr. Gudrun Lind-Albrecht (Düsseldorf)                                                                                                      Dr. Angelika Moder (Salzburg)                                                                                                                     

2. Verteilungskinetik und Dosimetrie des Radons und seiner kurzlebigen Folgeprodukte     Moderation: Prof. Dr. Henning von Philipsborn

Prof. Dr. Werner Hofmann (Salzburg)                                                                                                        Dr. Günther Just (Großpösna)                                                                                                                   Prof. Dr. Herbert Lettner (Salzburg)                                                                                                           Dr. Jürgen Petzold (Leipzig)                                                                                                                        

3. Molekulare und zelluläre Wirkungsmechanismen bei niedrigen Strahlendosen Moderation: PD Dr. Franz Rödel

Dr. Claudia Fournier (Darmstadt)                                                                                                             PD Dr. Udo Gaipl (Erlangen)                                                                                                                    Prof. Dr. Martin Herrmann (Erlangen)                                                                                                         Prof. Dr. George Iliakis (Essen)                                                                                                             PHD Prof. Dr. Bernd Kaina (Mainz)                                                                                                          Dr. Katrin Manda (Rostock)                                                                                                                   PD Dr. Franz Rödel (Frankfurt/M.)

4. Strahlenrisiko und Epidemiologie im Niedrigdosisbereich                             Moderation: Prof. Dr. Joachim Breckow

Prof. Dr. Joachim Breckow (Gießen)                                                                                                       Dr. Jürgen Conrady (Berlin)                                                                                                                    Prof. Dr. Ludwig Feinendegen (Lindau)                                                                                                      Prof. Dr. Dietrich Harder (Göttingen)                                                                                                          Dr. Michael Meyer-Hermann (Frankfurt/M.)                                                                                               Prof. Dr. Alexander Kaul (Wolfenbüttel)                                                                                                      Prof. Dr. Rolf Michel (Hannover)                                                                                                                 Dipl.-Phys. Horst Rühle (Berlin)                                                                                                                 PD Dr. Helmut Schöllnberger (Salzburg)                                                                                                     Prof. Dr. Christian Streffer (Essen)

5. Strahlenexpostition und Strahlenschutz des Patienten und des Personals               bei der Radontherapie     Moderation Prof. Dr. Alexander Kaul

Dr. Günther Just (Großpösna)                                                                                                                   Dr. Simone Körner (Augsburg)                                                                                                                   Prof. Dr. Henning von Philipsborn (Regensburg)                                                                                         Hartmut Ullmann (Bad Schlema)

Zusammenfassung der Tagungsinhalte                                                                   Prof. Dr. Peter Deetjen (Insbruck) & Prof. Dr. Dietrich Harder (Göttingen)

Tagungs- und Referatsprogramm hier

 

Programmkomitee                                                                                               Dr. Kathrin Baumann, Bad Schlema                                                                                           Bürgermeister a. D. Konrad Barth, Bad Schlema                                                                                      Prof. Dr. Joachim Breckow, Gießen                                                                                                    Prof. Dr. Ludwig Feinendegen, Lindau                                                                                                     Prof. Dr. Dr. Wolfgang A. Grunewald, Sibyllenbad                                                                                       Prof. Dr. Dietrich Harder, Göttingen                                                                                                           Dr. Hana Hornàtovà, Jáchymov                                                                                                                 Dr. Günter Just, Großpösna                                                                                                                 Sanitätsrat Dr. Hans Jöckel, Bad Kreuznach                                                                                             Prof. Dr. Alexander Kaul, Wolfenbüttel                                                                                                     Dipl.-Phys. Heinz-Günter Kraus, Bad Schlema                                                                                        Dr. Gudrun Lind-Albrecht, Düsseldorf                                                                                               Bürgermeister Jens Müller, Bad Schlema                                                                                               Prof. Dr. Henning von Philipsborn, Regensburg                                                                                          PD Dr. Franz Rödel, Frankfurt/M.                                                                                                             Dipl.-Phys.Horst Rühle, Berlin                                                                                                           Verein RADIZ Schlema e. V., Bad Schlema

 

Organisation

Tagungsort         Saal und Foyer des Kulturhauses „Aktivist“, D-08301 Bad Schlema, Bergstraße 22

Zeitraum           Donnerstag, 10. Juni 2010,   bis Samstag, 12. Juni 2010,                                                                                

Wissenschaftliche Leitung                                                                                                                    Prof. Dr. Dr. Wolfgang A. Grunewald, Neualbenreuth       (e-mail: prof.dr.dr.w.a.grunewald@t-online.de)   PD Dr. Franz Rödel, Frankfurt/M.                                   (e-mail: franz.roedel@kgu.de)                             Prof. Dr. phil. nat. Alexander Kaul, Wolfenbüttel              (e-mail: kaul.alexander@t-online.de)                   Prof. Dr. phil. nat. Dietrich Harder, Göttingen                  (e-mail: d.b.harder@gmx.de)

Örtliche Organisation                                                                                                                            Verein RADIZ Schlema e. V. – Radon-Dokumentations- und Informationszentrum                                         D-08301 Bad Schlema, Prof. Dr. Boris-Rajewsky-Straße 4                                                                     Telefon/Telefax: 03772 – 22 9 26                                                                                                             (e-mail: radizev@t-online.de)

Vorsitzender: Dipl.-Phys. Heinz-Günter Kraus, Landrat a.D                                                                          Stellvertreter: Konrad Barth, Bürgermeister a.D.                                                                                       Tagungssekretariat: Katrin Dörfelt

Kultur und Umgebung

Bad Schlema bietet mit dem Uranbergbaumuseum, das sich direkt im Tagungsgebäude befindet, sowie mit dem Besucherbergwerk „Schacht 15 II b“, dem Kurpark, dem Floßgraben, den Wanderwegen auf sanierten Bergbauhalden und dem Gesundheitsbad „ACTINON“ ein landschaftlich und historisch einmaliges Ambiente. Stadtbild, Bergbau- museum und St. Wolfgangskirche in der nahe gelegenen Bergstadt Schneeberg sowie eine weltweit einzigartige Erz- und Mineraliensammlung am ehemals tiefsten Bergbauschacht Europas (Schacht 371) vervollständigen die Eindrücke einer unvergesslichen Region im Erzgebirge.                             Sehen und erleben Sie das Wiedererstehen des früheren Uran-Bergbauortes dank seiner Entwicklung zum staatlich anerkannten Radonheilbad Bad Schlema!

Verein RADIZ Schlema e. V.

 

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