Historie der Biophysikalischen Arbeitstagungen seit 1941
Biophysiker und Mediziner - Prof. Dr. Boris Rajewsky, Prof. Dr. Werner Schüttmann und Prof. Dr. Karl Aurand - haben mit den erstmals 1941
veranstalteten Biophysikalischen Arbeitstagungen im damaligen Radiumbad Oberschlema weitblickend ein wissenschaftliches Forum für die Erforschung der Grundlagen der Radon-Balneotherapie und des Strahlenschutzes bei
Radon-Exposition geschaffen.
Bereits auf der 1. Biophysikalischen Arbeitstagung 1941
wurde über die im Schlema-Tal deutlich zutage tretende wissenschaftliche Problematik in Bezug auf das Radon, nämlich Heilwirkung und gesundheitliches Risiko, debattiert. Oberschlema war damals das stärkste Radiumbad der Welt, und durch die Anwendung von Radonbädern an Rheumapatienten waren bedeutende Heil- und Kurerfolge zu verzeichnen. Andererseits war in dieser Region die so genannte Schneeberger Lungenkrankheit der Bergleute verbreitet, eine Lungenkrebserkrankung, die durch den täglichen Kontakt der Bergleute mit Radon und Staub im Bergwerk entstand.
Von 1946 bis 1990 war das Schicksal des Schlema-Tals durch den mit höchster Intensität betriebenen Uran-Bergbau geprägt. Nach der politischen
Wende im Jahr 1990 wurde diese Gegend in den Medien als das „Tal des Todes“ verschrien. Einen Wendepunkt in eine bessere Zukunft markierte die 2. Biophysikalische Arbeitstagung, die im
September 1991, genau 50 Jahre nach der 1. Tagung, wiederum in Schlema stattfand. Auf dieser Tagung erörterte man viele Fragen des Radonschutzes und radonge-
schützten Bauens sowie der Radonbalneologie. Das bedeutendste Resultat dieser Tagung war die Durchführung der Schlemaer Doppelblindstudie im Jahre 1992, der ersten Doppelblindstudie Deutschlands zur therapeutischen Wirkung des Radons. Der dabei gelungene Nachweis der schmerzlindern- den Wirkung des Radons bildete die Grundlage für die Wiederaufnahme des Kurbetriebs in Schlema. Das neue Kurmittelhaus konnte im Oktober 1998 eingeweiht werden.
Ebenso bildete die 3. Biophysikalische Arbeitstagung im September 2001
für die internationale wissenschaftliche Öffentlichkeit einen Meilenstein auf dem Gebiet der Biophysik, Strahlenforschung und Radonbalneologie. Heute ist Bad Schlema ein blühendes und aufstrebendes Radonheilbad, staatlich anerkannt und prädikatisiert. Heilungserfolge auf dem Gebiet der chronisch-entzündlichen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises sind an die Stelle der bergbaubedingten Lungenkrebserkrankungen getreten. Heute geht es um die Beweisführung für die langjährig anhaltenden Erfolge des natürlichen Heilmittels Radon, die Vermeidung aller strahlen- bedingten Nebenwirkungen und die deutliche Reduktion der Einnahme nicht risikofreier Medikamente sowie um den Kostenvergleich der Heilbehandlung dieser Krankheiten mit Radon und Medikamenten.
An diese Tradition konnten wir im September 2006 mit der 4. Biophysi- kalischen Arbeitstagung
in Bad Schlema anknüpfen und den Fortschritt der Erkenntnisse auf diesem faszinierenden interdisziplinären Wissens- gebiet sichtbar machen. Die Verbindung der wissenschaftlichen Fragen der therapeutischen Radonwirkung mit denen des Strahlenschutzes bei niedrigen Dosen hat nichts von ihrer Aktualität verloren. Gemeinsamkeiten bei den zugrunde liegenden Wirkungsmechanismen niedriger Strahlendosen zeigen sich heute immer deutlicher. Zur Objektivierung der therapeutischen Wirkung des Radons wurden erneut kontrollierte klinische Studien durchgeführt. Indikationen und Applikationsformen der Radontherapie werden ständig weiter optimiert. Molekulare und zelluläre Mechanismen der schmerzlindernden Wirkung des Radons und seiner radioaktiven Folgeprodukte wurden vor kurzem in dem von RADIZ Schlema e.V. herausgegebenen Buch „Radon als Heilmittel“ auf physikalischer und biologischer Ebene theoretisch analysiert. Die 4. Biophysikalische Arbeitstagung brachte die Ergebnisse daran anschließender experimenteller Forschungsarbeiten, insbesondere zur Deposition der Radonfolgeprodukte auf der Haut bei der Bade- und Heilstollentherapie und zu den durch niedrige Strahlungsdosen bewirkten entzündungshemmenden Reaktionen des Immunsystems.
Der Strahlenschutz des Patienten bei therapeutischen Radonanwendungen und der Risikovergleich mit medikamentösen Behandlungsmethoden berühren
Grundfragen der Karzinogenese bei niedrigen Strahlendosen. Von großer Aktualität ist das wachsende Verständnis für die Gültigkeits- und Anwendungsgrenzen der linearen Dosis-Risiko-Beziehung. Den biologi- schen
Abwehrmechanismen gegen die Karzinogenese kommt möglicher- weise eine Schlüsselrolle für die Problematik des Strahlenrisikos bei niedrigen Dosen und Dosisleistungen zu. Dringend notwendig ist die Klarstellung,
dass es sich bei der linearen Dosis-Risiko-Beziehung im Bereich niedriger Dosen und Dosisleistungen in der Größenordnung der mittleren natürlichen Strahlenexposition um eine unbewiesene Hypothese handelt, die im
prospektiven Strahlenschutz aus Vorsorgegründen angewandt wird, jedoch zur Berechnung von realistischen Schadens- Erwartungs-werten nicht geeignet ist. Eine große Hoffnung - und ein gewaltiges Forschungsprogramm -
drückt sich in der Hypothese aus, dass der menschliche Organismus an die normale natürliche Strahlenexposition angepasst ist.
Das Kurbad Schlema, eine Gemeinde des Landkreises Aue-Schwarzen berg, hat historische Bedeutung als Ort der Radonforschung und der
Radonbalneologie. Im ehemaligen Radiumbad Oberschlema wurde 1939/1940 die Außenstelle des damaligen Kaiser-Wilhelm-Institutes für Biophysik Frankfurt/M., heute Max-Planck-Institut für Biophysik, im Auftrag von
Prof. Dr. Boris Rajewsky als Forschungsinstitut für Radon-Balneologie und Strahlenschutz errichtet. Das ehemalige Institutsgebäude beherbergt heute die Verwaltung der Kurgesellschaft Schlema mbH, die
Beratungs-stelle für Radongeschütztes Bauen, die Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft „Europäische Radonheilbäder“ sowie unseren Verein RADIZ. Zum Gedenken an den Rajewsky-Schüler und ideenreichen
Vorkämpfer der heutigen Entwicklung Schlemas zum Radonheilbad trägt es den Namen „Karl-Aurand-Haus“. Prof. Dr. Karl Aurand hat unsere Tagung, schon schwerkrank, in Gedanken begleitet, und wir haben noch vor
der Drucklegung des Tagungsbandes zur 4. Tagung von ihm Abschied nehmen müssen.
Bad Schlema bot mit dem Uranbergbaumuseum, das sich direkt im Tagungsgebäude befindet, sowie mit dem Besucherbergwerk „Schacht 15 II b“,
dem Kurpark, dem Floßgraben, den Wanderwegen auf sanierten Bergbauhalden und dem Gesundheitsbad „ACTINON“ ein landschaftlich und historisch einmaliges Ambiente. Stadtbild, Bergbaumuseum und St. Wolfgangskirche
in der nahe gelegenen Bergstadt Schneeberg sowie die weltweit einzigartige Erz- und Mineraliensammlung am ehemals tiefsten Bergbauschacht Europas (Schacht 371) vervollständigten die Eindrücke einer unvergesslichen
Region im Erzgebirge.
Die Vorbereitungen für die 5. Biophysikalische Arbeitstagung in der Zeit vom 10. bis 12. Juni 2010
sind bereits angelaufen. Diese Tagung wird ebenfalls in Bad Schlema stattfinden.
Verein RADIZ Schlema e. V.
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